Objektbericht
Wenn Photovoltaik Teil der Dachhaut wird
Wie das Energiedach Photovoltaik und Dacheindeckung zu einer regensicheren Einheit verbindet
Von Paul Zielinski, Leitung technische Beratung und Produktbetreuung Dach,
und Bianca Marklstorfer, Mitarbeiterin Marketing
München, Juni 2026. Mitten in München, nur wenige Schritte von der Leopoldstraße entfernt, wurde ein Wohn- und Geschäftshaus aufgestockt und energetisch modernisiert. Die Bauherren wollten Solarstrom erzeugen, ohne die ruhige Dachansicht des Gebäudes zu verändern. Hinzu kam der Ensembleschutz, der hohe Anforderungen an die Gestaltung stellte. Die Lösung bot ein System, das Photovoltaik und Dacheindeckung zu einer funktionalen Einheit verbindet: das ERLUS Energiedach.
Für die Aufstockung erhielt das Gebäude einen komplett neuen Dachstuhl. Die Konstruktion plante und errichtete die Zimmerei und Holzbau GmbH Frank aus München. Herausfordernd waren bei dieser innerstädtischen Bebauung mit kleinem Innenhof vor allem die Planung, Baustelleneinrichtung und enge Abstimmung der Gewerke. Nach einem Laser-3D-Aufmaß plante der Holzbaubetrieb die Konstruktion digital und fertigte die Holzbauteile vor.
Dann entstand der neue Dachstuhl. Zimmerermeister und staatlich geprüfter Holzbautechniker Stefan Frank sieht beim Energiedach vor allem Vorteile in der Ausführung: „Für das Energiedach haben wir keine Extras benötigt, das ist sehr handwerkerfreundlich. Vier Zentimeter Konterlatten halten nicht nur die Temperatur der PV-Module geringer, sondern auch die Holzfeuchte der Dachlattung. Deshalb sind sie bei uns am Dachstuhl üblich“, sagt Frank. Den Dachstuhl führte der Betrieb mit 60 mm starken Holzweichfaserplatten sowie einer verklebten, diffusionsoffenen Unterdeckbahn (UDB eA) der Klasse 2 und Konterlattendichtstreifen entsprechend der Herstellerrichtlinie aus.
Erste Münchner Baustelle mit dem Energiedach
Auf dem Dach übernahm dann die Dachdeckerei und Spenglerei Pesl aus München die weiteren Arbeiten. Für Innungsmitglied und Geschäftsführer Michael Pesl stand hierbei der Kundenwunsch im Vordergrund: „Ausschlaggebend waren die integrierte Optik und die einfache Verarbeitung. Gerade bei nur zehn Grad Dachneigung hat das System sehr gut zum Objekt gepasst und war einfach einzusetzen“, sagt Michael Pesl.
Seine Baustelle in der bayerischen Landeshauptstadt war eine der ersten in Deutschland, auf der erstmals das ERLUS Energiedach zum Einsatz kam. „Für uns Dachdecker ist interessant, dass wir die komplette Dachhaut einschließlich der PV-Anlage herstellen. Der Elektriker übernimmt anschließend lediglich die Arbeiten im Gebäude.“ Dadurch bleibe die „Kernkompetenz Dach“ einschließlich der gesamten Dachnutzung – wie Belichtung, Energieerzeugung, Verkehrssicherung mit Schneeschutz und Windsogsicherung – in einer Hand.
Das vierstöckige Gebäude in München erhielt eine komplette Aufstockung. Durch den Einsatz von vier Holz-Stahlträgern ist die Konstruktion des zusätzlichen Stockwerks relativ stützenfrei ausgeführt worden. Das Steildach hat 45 Grad an der Fensterfront und ist auf der großen Fläche mit 10 Grad flach geneigt. Auf der neuen Ebene entstanden Büroräume mit einer durchgehenden Fensterfront nach Süden und mehreren Dachgauben sowie ein Balkon und eine Dachterrasse. Die Aufstockung des Gebäudes zog deshalb eine komplette Dachsanierung nach sich.
Montage ähnlich einer klassischen Dacheindeckung
Die Dachflächen mit nur 10 Grad Dachneigung waren für den Level RS mit dreifacher Ringverfalzung von ERLUS ideal geeignet, denn dieser Ziegel ist nachweislich auch bei einer so flachen Dachneigung regensicher. Für die Energieerzeugung bot sich das exakt zum Level RS passende PV-System ERLUS Energiedach an. Auf die Südseite des Satteldachs passten 78 Energiedach Module aufgeteilt auf zwei Modulstränge. Eingerahmt vom Dachziegel Level RS fügt sich die PV-Anlage harmonisch in das Dachbild ein. Möglich macht das die spezielle Form des Energiedachs. „Wir haben die Module praktisch wie Dachziegel verlegt“, berichtet Dachdeckermeister Markus Schmelzer. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern vermaß, verlegte und verkabelte er die 78 Module an nur einem Arbeitstag. „Ein Modul ersetzt rund sechseinhalb Ziegel. Das spart spürbar Zeit. Außerdem sorgt der integrierte Windsoghaken am Modul für höchste Sicherheiten gegen Windsog bei einfachster Verarbeitung. Das Energiedach wird nur mit herkömmlichen Spenglerschrauben und den gleichen Sturmklammern wie die Dachziegel befestigt.“
Windsogsicherheit und Hagelschutz
Jedes einzelne Energiedachmodul wird mit einer Sturmklammer und acht Schrauben gesichert. Zusätzlich greift der „Finger“, der Windsoghaken des Moduls, beim daneben liegenden geklammerten Dachziegel oder Energiedach Modul unter und schließt so eine optimale Verankerung auf dem Dach gegen Zug- und Sogkräfte. Ziegel und Module sind komplett aufeinander abgestimmt. „Wir wollten nicht nur eine zum Level RS passende Optik, wir haben ein System entwickelt, das sich handwerklich sauber und einfach verarbeiten lässt“, sagt Paul Zielinski, Leiter technische Beratung und Produktbetreuung Dach bei ERLUS.
Kunden, die Wert auf ein ästhetisches Dach legen und gleichzeitig PV integrieren möchten, erhalten mit dem ERLUS Energiedach ein Photovoltaiksystem, das die Funktion der Dacheindeckung übernimmt und zugleich Strom erzeugt. Mit rund 10 kg Modulgewicht, einer dreifachen Ringverfalzung, der zertifizierten Hagelwiderstandsklasse 4 und dem hochwertigen Aluabschluss erhält das Energiedach auch die identische kantige Optik des Dachziegels Level RS.
Dach und PV als ein System
Denn anders als viele klassische Indachsysteme übernimmt das ERLUS Energiedach gleichzeitig die Funktion der Dacheindeckung, weshalb man fachlich korrekt von einem Ziegelersatzmodul, und nicht von einem Indachmodul spricht. „Das Energiedach ist eine saubere und schöne Lösung.
Die durchdachte Konstruktion und die einfache Reihenschaltung der Module haben mich sehr überzeugt“, meint Dachdeckermeister Markus Schmelzer. Die vom Dachziegel übernommene Geometrie mit dreifachen Kopf- und Seitenfalzen gewährleistet eine sichere und nach EN 15601 geprüfte Regensicherheit. Dadurch erreicht das Energiedach auch bei geringen Dachneigungen die gleiche Regensicherheit wie die Ziegeldeckung des Level RS.
Perspektiven für Photovoltaik am Dach
Das Münchner Objekt verdeutlicht einen Trend im Steildachbereich: Photovoltaik wird zunehmend Teil der Dacheindeckung und nicht mehr nur auf dem Dach montiert. Gerade bei architektonisch anspruchsvollen Gebäuden oder im Umfeld von Ensembleschutz und Denkmalpflege eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten der Nutzung regenerativer Energien.
Bautafel
Dachziegel: Level RS
Indach Photovoltaik: Energiedach für Level RS
Dachdeckung und Spenglerarbeiten: Dachdeckerei und Spenglerei Pesl, München
Dachstuhl für Aufstockung: Zimmerei und Holzbau GmbH Frank, München
Den Objektbericht zum Download inkl. Bildmaterial finden Sie hier.